Frischer Wind im Kabarett
Als sich Mike Gromberg und Andreas Tristram vor über einem Jahr das erste Mal in Borken trafen um über ein gemeinsames Kabarettprojekt zu reden, waren sie sich schnell einig darüber, dass das deutschsprachige Kabarett dringend frischen Wind nötig hat. Immer wieder dieselben politischen Parolen, lachen worüber es nichts zu lachen gibt und die Vermischung zwischen Kabarett und Comedy hat für sie mit ernstem Kabarett nichts mehr zu tun. Und da es in ihren Augen Zeit wurde, das auch auf der Bühne deutlich zu machen, enstand vor gut einem Jahr die Idee der “Neuen Scharfrichter”. Zwar bleibt auch hier Politik nicht ungerichtet, geht es in ihrem Programm aber doch eher um gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge und deren Auswirkungen, die dem Ottonormalverbraucher von der Öffentlichkeit meißt verwaschen und lückenhaft präsentiert werden.
Jeder von ihnen spielt drei verschiedene Rollen. “Hartz 4 Empfänger Andy” zum Beispiel macht deutlich, wie er sich aus Sicht der besser Verdienenden in der Öffentlichkeit gefälligst zu verhalten habe. Ebenso der Obdachlose “Karl Uwe Kempowski”, der mittlerweile schon nicht mehr an seinem Leben hängt und daher kein Blatt vor dem Mund nimmt. Der höchst ironische Arbeitsvermittler und Zeitarbeitagenturinhaber “Lasse Pech-Haben” geht nach eigenen Angaben “über familiäre Exsistenzen um die Leistungsträger der Oberschicht zu erreichen, damit die sich dann um die Hartz 4 Empfänger sorgen können.” Auch das er seine Finger im Organhandelgeschäft hat, ist für ihn in unserem Land moralisch nicht verwerflich.
Für Unternehmensberater Dr. Mike Gromberg liegt das Geld auf der Straße. “Nur wer sich nicht bückt und es aufhebt, muss sich nicht wundern, wenn er keine Kohle in der Tasche hat.” Mit “Inhaftieren und Abkassieren” macht er unter anderem auf die perverse Situation US- Amerikanischer Gefangener aufmerksam. “Eine gesunde Bestrafungspolitik, braucht eine kranke Gesellschaft.”
Ein Alien das nach 4000 Jahren zur Erden zurück kehrt kann nicht verstehen, wie sich diese Menschen wissentlich und willentlich so schnell vermehren konnten und erklärt, wie schön doch alles hätte werden können.
Die Krönung liefert die Figur des ehemaligen Geheimdienstagenten Andre Lampuki. Er steht über allem, weiß alles und scheut sich nicht dem Publikum höchst unangenehmes aus seiner aktiven Zeit vor die Denkzentrale zu knallen. Ihn zu erklären nützt hier nichts. Andre Lampuki muss man erlebt haben.
Auch für musikalische Unterhaltung in dem 2 Stündigen Programm ist noch platz.
Da keiner von beiden über eine Schauspielerische Ausbildung verfügt ist es erstaunlich, wie authentisch sie ihre Rollen ausfüllen. Das emotionale auf und ab beim Publikum ist gewollt und sehr fein durchdacht. Bleibt dem Publikum das lachen im Halse stecken wird es gekonnt dann doch noch rausgekitzelt. “Dafür das die Gürtellinie im breiter aber nie unterschritten wird, dafür sorgt Andreas Tristram.” So Mike Gromberg. Und weiter: “Ich wisch dann nachher die Tränen wieder auf. Die werden ja zum Lachen wieder gebraucht.”
Nach Auftritten in Bocholt, Düsseldorf, Essen…sind vier weitere Auftritte im Ruhrgebiet und Umgebung geplant. “Wir wollen nicht berühmt werden oder im Fernsehn auftreten. Das hätten wir als Comedypaar schon längst gekonnt.” So Andreas Tristram aus Borken. “Wir wollen leise aufmerksam machen, damit die Leute anfangen laut zu reden.”
Für Andreas Tristram wäre ein Auftritt im Borkener Vennehof ja ein Heimspiel. “Mal sehen was die Zeit mit sich bringt.” So der Borkener.
Auch wenn Sie zu Beginn des Programms hören: “Wenn sie lachen wollen gehen sie nach Hause!” Bleiben sie sitzen. Es lohnt sich.
Dagmar Tristram
