Das Lehrschwimmbecken an der Neumühlenschule
Seit nun bald fünf Jahren qualmen im Borkener Stadtrat die Köpfe, wie nun ein eventuelles, neues Lehrschwimmbecken an der Neumühlenschule aussehen könnte und es kursiert immer wieder die Frage, ob sich so ein Becken denn überhaupt lohnen würde? Und diese Frage entbehrt sich jeglicher moralischen Gundlage, denn es lohnt sich und zwar für die behinderten Kinder, die leider noch immer nicht ganz in unserer Gesellschaft angekommen sind.
Das Lehrschwimmbecken, das mittlerweile in die Jahre gekommen ist, wurde damals für Kinder mit besonderem Hilfebedarf der Neumühlenschule gebaut, eben weil diese Kinder das Element Wasser brauchen, um sich besser zu spüren, zu erleben, um sich auszuleben, neue Erfahrungen zu machen etc. Es ist ihnen nicht möglich, sich mit Freunden zum Schwimmen am Nachmittag zu verabreden. Bei den meisten Kindern ist es selbst den Eltern nicht mehr möglich, mit ihnen schwimmen zu gehen, weil der Kraft- und Zeitaufwand für Kind und Eltern einfach zu enorm ist, denn die Kinder sitzen den ganzen Tag angeschnallt in einem Rollstuhl. Wenn sie jünger sind, können sie vielleicht noch mit speziellen Hilfsmitteln ein bis zwei Stunden am Tag stehen. Andere Positionswechsel gibt es für sie aber nicht. Und gerade im Wasser können sie sich ganz anders entfalten, sind viel leichter, Spastiken verschwinden, Bewegungsabläufe fallen leichter. Die Kinder können sich im Wasser ohne Hilfsmittel bewegen, sie sind frei und dieses Gefühl der Freiheit ist unbezahlbar.
Jeder Vergleich hinkt ein wenig… aber mal ehrlich, wie viele Pausen gönnen sich die Menschen, die an einer Sitzung teilnehmen, weil man sich mal eben die Füße vertreten muss ? Und gerade das gestehen sie diesen Kindern nicht zu? Ist das nicht ein egoistischer Zug ?
Die Kostenfrage des Lehrschwimmbeckens
Nun wird die Kostenfrage diskutiert und die Überlegung steht im Raum, das neue Lehrschwimmbecken ans Aquarius anzugliedern. Dies würde für die besonderen Kinder der Neumühlenschule ein AUS des Schwimmens und der damit verbundenen, ganzheitlichen Entwicklung bedeuten. Die Kinder müssten in einer aufwändigen Prozedur, nachdem sie ja morgens schon lange Zeit im Schulbus unterwegs waren, dann wieder zum Aquarius gefahren werden. Ein schwerst mehrfach behindertes Kind fährt man nicht mal eben irgendwohin. Für viele der Kinder ist das Fahren sehr anstrengend, laute Fahrgeräusche, alleine sein, neue und unbekannte Strecke, das kostet Kraft und Zeit und Personal. Personal, was die Neumühlenschule nicht mal eben einen ganzen Tag nur für das Schwimmen und den zusätzlichen Transport aufstellen kann. Was ist mit Fehlzeiten der Lehrer ? Denn auch die sind schon mal krank! Sobald es irgendwo im System wackelt, fällt für alle Kinder der Schwimmunterricht aus, weil eben jeder dann gefragt ist! Kann das der Sinn sein?
Auch wenn in dieser Angelegenheit Politiker die Entscheidungsträger sind, ist es wirklich moralisch vertretbar, in dieser Sache nach den Kosten zu fragen? Vielleicht sollte sich ein jeder des Stadtrates einmal fragen, ob nicht auch er, oder vielleicht eines seiner Enkelkinder in die Lage kommen könnte, den ganzen Tag in einem Rollstuhl zu sitzen und nach solchen kraftspendenen Highlights im Leben zu greifen. Schon morgen kann ein jeder von den Damen und Herren, die diese Entscheidung zu treffen haben, in die gleiche Lage kommen, wie diese besonderen Kinder der Neumühlenschule.
Aber ehrlich gesagt, wer das nicht sehen will, sieht dies auch nicht und schaut auch nicht hinter die Fassade eine solchen Kindes. Vielleicht können sich Menschen, die gesunde Kinder haben, auch nicht in diese Situation hinein versetzten. Doch Politiker sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie auch eine moralische Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung haben.
Stjarna Tristam hat einen Brief an die Stadt geschrieben, um darin zu bitten, dass das Lehrschwimmbecken an der Neumühlenschule bleibt. Bisher hat sie noch keine Antwort bekommen, doch sie hofft, dass diese bald kommt. Den Artikel dazu gibt es in der Borkener Zeitung.
Bildquelle 1. Bild: © Gerd Altmann / pixelio.de
Bildquelle 2. Bild: © Dagmar Tristam
